Kerzenschein lässt Mauersberg zum Lichterdorf werden

Mauersberg ist in der Weihnachtszeit ein beliebtes Ausflugsziel. Busse und Autos fahren im Schritttempo durch den Ort, Besucher erfreuen sich bei einem Rundgang an den vielen erleuchteten Fenstern. Und wenn Schnee und Reif Straßen und Bäume bedecken, ist der Zauber noch mal so groß. Ein prominenter Besucher hat das einmal mit folgenden Zeilen auf den Punkt gebracht: „Die Lichterpracht ist am schönsten in Mauersberg, dort, wo Ortsname und Familienname der berühmten Söhne des Dorfes zusammentreffen. Mag sein, dass so mancher Besucher wegen der beiden Kantoren Rudolf und Erhard Mauersberger nach Mauersberg kommt und die Einwohner die Ausstrahlung ihres Weihnachtslichts den Gästen zuliebe zur Vollendung treiben wollten. Aber noch macht der Erzgebirger kaum etwas den Fremden zuliebe, und der Grund ist durchaus unwichtig. Jedes Haus ist ein Lichterhaus, jedes bis zum letzten Fenster im Spitzgiebel erleuchtet. Das gibt kaum ein Bild wie nirgendwo, zumal das Dorf in einer sanften Mulde liegt, hoch auf dem Bergrücken, es bietet sich dem Auge als leuchtendes Ganzes und im reizenden Einzelnen.

Schwibbogen
Das weihnachtliche Licht macht das Dorf zum lebendigen erzgebirgischen Weihnachtsberg. Doch das war nicht immer so. Jahrhunderte alt ist der Brauch, nur an den Weihnachtsfesttagen und am Heiligabend die Lichter anzuzünden. Auch der Christmorgen gehörten dazu. Dabei wurden nicht wie sonst üblich die Fensterläden geschlossen und an die Fenster brennende Kerzen gestellt. Schon der Kantorensohn Reinhard Rother schreibt 1850: „Unvergleichlich war der Zauber, der sich in dieser Morgenstunde nach der Metten über das illuminierte Dorf ergoss!”
Auch als Mauersberg 1913 das Elektrizitätsnetz angeschlossen wurde, änderte sich daran nichts. Nach wie vor bildeten Kerzen in den Fenstern die weihnachtliche Festbeleuchtung. Erst der Krieg brachte eine Einschränkung dieses Brauches. Als 1924 in Mauersberg der Schnitz- und Krippenverein gegründet wurde, stellten die Vereinsmitglieder einen „öffentlichen Christbaum” mit elektrischer Beleuchtung vor Löschners Gasthaus, dem heutigen Museum, auf. Auch der zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit verhinderten eine weitere Ausbreitung des Lichterbrauches. Not und Elend sowie Beleuchtungsverbote trugen ihren Teil dazu bei. Erst Anfang der fünfziger Jahre kamen findige Einwohner darauf, meist selbstgefertigte Beleuchtungen in den Fenstern anzubringen. Fensterläden fielen mehr und mehr der Modernisierung zum Opfer. Nicht immer war es einfach, Fassungen und Lämpchen im Handel zu erhalten. Von Jahr zu Jahr wuchs die Anzahl der Lichter, die in den Fenstern erstrahlten und dem Ort sein weihnachtliches Gepräge gaben. Wurde anfangs nur unmittelbar an den Festtagen zwischen Heiligabend und Hohneujahr beleuchtet, ist jetzt bereits vom ersten Advent an der ganze Ort geschmückt. Und es sind längst nicht mehr nur die festlich erleuchteten Fenster. Seit 1982 dreht sich neben der Kirche die große Ortspyramide. In einigen Grundstücken drehen sich weitere Pyramiden. Und natürlich vervollständigen viele geschmückte Weihnachtsbäume das Bild.

Neue Bräuche sind mittlerweile zur schönen Tradition geworden, wie zum Beispiel der Besuch des Weihnachtsmannes am ersten Adventssonntag und das Verkosten eines Riesenweihnachtsstollens. Nicht zu vergessen die vielfältigen kulturellen Veranstaltungen, der Rundgang der Kurrendesänger in alle Häuser des Dorfes, die Christmette am ersten Weihnachtsfeiertag und schließlich die Lichtermetten zum Weihnachtsausklang am 6. Januar.
Ortschronist Karl-Heinz Melzer